Der Schatzhof
Das Gehöft steht mitten im Dorf. Der Zaun, der es einst von der Außenwelt trennte, ist schon lange verschwunden. Heute steht dem Betreten des Geländes nichts mehr im Wege. Nun ja, fast nichts. Nur die Zweige der Pflaumenbäume, die voller reifer Früchte hängen, versperren mir den Weg. Gerade ist ihre Zeit gekommen.
Ich pflücke eine ab und probiere sie. Sie ist süß, saftig und schmeckt genau so, wie Pflaumen aus einem alten ländlichen Obstgarten schmecken sollten. Für einen Moment vergesse ich, dass ich mitten auf einem verlassenen Bauernhof stehe, und gehe weiter.
Je tiefer ich in das Gelände vordringe, desto stärker habe ich das Gefühl, dass die Natur es sich zurückerobert. Überall sind Gras, Sträucher, Wildbäume und Ranken, die sich durch Türen und Fenster drängen. Das Gehöft verschwindet langsam im Grün.
Im Wohnbereich ist nicht viel erhalten geblieben. Die Räume sind fast leer und erinnern nur hier und da daran, dass hier einst jemand gelebt hat. Viel interessanter ist der Dachboden.
Hier ist alles anders.
Es scheint, als hätte hier im Laufe von Jahrzehnten jemand Dinge hergebracht, die im Haus nicht mehr gebraucht wurden. Und genau hier sind sie schließlich geblieben. Alte Batterien, Streichholzschachteln, Petroleumlampen, Schuhe, Kleidung und viele weitere Kleinigkeiten, die heute wie kleine Zeitkapseln wirken.
Jedes davon hat seine eigene Geschichte. Manche Dinge verschmelzen schon fast mit dem Staub und dem verfallenden Holz, andere sehen aus, als hätte ihr Besitzer sie erst gestern beiseitegelegt.
Ich verlasse den Wohnbereich und gehe zu den Scheunen.
Und hier erwartet mich eine weitere Überraschung. Auch diese sind nicht leer. Im Inneren befindet sich noch immer die Ausrüstung, die einst zum Leben auf dem Bauernhof gehörte. Alte Werkzeuge, landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, mit denen man auf die Felder ging.
Es ist seltsam, an einem Ort vorbeizugehen, an dem die Zeit stehen geblieben ist. Der Bauernhof hat längst seinen Zweck verloren, die Menschen sind weggezogen und der Zaun ist verschwunden. Nur die Pflaumen reifen weiterhin jedes Jahr heran, die Scheunen bergen alte landwirtschaftliche Geräte und der Boden verbirgt nach wie vor Dinge, von denen sich ihre Besitzer einst nicht ganz trennen konnten.
Und so wartet der Hof, der langsam vom Grün überwuchert wird, weiter.
Auf wen oder was, das weiß wohl niemand mehr.